Wenn du dich schon ärgern musst, dann wenigstens achtsam.

Dem Thema Achtsamkeit kann man sich eigentlich nicht mehr wirklich entziehen.
Überall trifft man auf Hinweise, wie gut es tut, wenn man sich in Achtsamkeit übt.
So ganz im gegenwärtigen Moment zu sein, soll die Lösung aller Probleme sein!

Nicht selten wird suggeriert, dass sich mit Achtsamkeit die Probleme quasi von alleine auflösen! 


Oft hört man auch von der Enttäuschung, von denen die versucht haben achtsam zu sein!
Da sind sie achtsam am Reiseziel angekommen und trotzdem war der Urlaubsort ein Flop.
Da hat man etwas achtsam gegessen und trotzdem hat es nicht geschmeckt.


Ist Achtsamkeit DIE neue Modeerscheinung?

Ist es hipp achtsam zu sein?
Ist es der neue geile Schei**, den man einfach probiert haben muss?

Ist man out, wenn man nicht auf den Achtsamkeitszug aufsteigt?

Ist man erst dann wirklich spirituell und verbunden, wenn man es schafft jeden Tag achtsam durch die Welt zu marschieren?



Ich weiß, nicht wie es dir geht, doch im Zusammenhang mit Achtsamkeit bekomme ich fast immer nur Bilder von jungen hübschen Frauen in Mediationshaltung oder die klassische Lotusblüte zu sehen. Alles in einem sanften, weichen Styling, die Farben erinnern eher an die Geburt eines Babys und alles erscheint nur einfach, leicht und selbstverständlich!
Da drängt sich mir fast der Eindruck auf, dass man den gesegneten Zustand der Achtsamkeit nur erlangt, wenn man 2 Stunden am Tag meditiert und alles wirklich alles, voll und ganz bewusst macht.


😉 Wenn ich achtsam bin, dann geht es mir automatisch gut!
😉 Wenn ich achtsam bin, dann habe ich automatisch keine Probleme und mein Leben wird einfach nur easy und alles lässt sich mit Leichtigkeit und Gelassenheit rocken!


Das mag für manche schon zutreffen, doch ich habe da andere Erfahrung gemacht. 

Oder sagen wir mal so:

Auf lange Sicht hat Achtsamkeit einen enormen positiven Einfluss auf mein Leben und auf meine innere Balance, doch hat es mich nicht vor herausfordernde Situationen bewahrt.



Achtsam sein, bedeutet für mich dem Moment erlauben, so zu sein wie er ist, ohne ihn zu bewerten!
Der Moment muss nicht gut sein- er ist einfach so, wie er ist!
Ich muss es nicht spitze finden, dass bei der Kontrolluntersuchung meines Sohnes sich wieder eine neue Diagnose dazu gesellt.
Es ist wie es ist.
Es muss mir diesmal das Essen in meinem Lieblingsrestaurant nicht schmecken.
Es ist wie es ist.



Neulich hab ich mich geärgert, denn bei einem wichtigen Projekt war das Endergebnis nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich war zuerst wütend, dann enttäuscht und dann hab ich mich auch noch eine ganze Weile darüber geärgert. Mir war völlig klar, dass mein Ärger nichts am Endergebnisse ändern wird und das mein Ärger auch ein wenig unfair war. 

Also, hab ich versucht, mich nicht mehr zu ärgern. 

Das funktioniert bei mir leider nicht so einfach, denn wenn ich versuch, meinen Ärger zu unterdrücken, dann platzt er mit Sicherheit woanders raus. Und wenn mein Ärger raus will, dann kann er schon mal zu einen Orkan mutieren! 

Es ist so wichtig, mit Ärger umzugehen, ohne andere zu verletzen. 

Also, was tun?
Achtsam ärgern!

Das sind meine 5 Schritte für achtsames Ärgern

  1. Schweigen, wenn man verärgert ist
  2. Wahr nehmen was ist
  3. Die Bewegung und die Gefühle im Körper spüren
  4. Eine Gehmediation im Freien
  5. Humor – viel Humor- gaaaanz viel Humor



wenn ich mich ärgere, versuche ich meinen Mund zu halten. In der Verärgerung ist schnell mal was gesagt, dass sich vielleicht nicht so einfach zurück nehmen lässt. Ich nehme einfach wahr, was ist! Ich betrachte, was mich denn tatsächlich ärgert. Ich nehme wahr, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, weil ich mich ärgere. Ich versuche herauszufinden, welches Gefühl hinter dem Ärger steht.
Und bei all der Beobachtung und der Reflexion:

Es ist wie es ist!



Das ist jetzt kein Geheimtrick, um den Ärger loszuwerden, doch es hat geholfen, dass niemand meine geballten Ärger auf den Kopf bekommen hat. Es hat geholfen, dass ich den Ärger nicht geschluckt und ich mir damit ein Magengeschwür gezücht habe. 

Achtsam ärgern ist auch Achtsamkeit. 


Achtsamkeit ist eine wundervolle Möglichkeit, um mit Gefühlen, Gedanken und den Körper bewusster umzugehen.
Es ist kein Allheilmittel, jedoch eine großartige Möglichkeit, um den Stürmen des Lebens gelassener zu begegnen.

Also, wenn du dich das nächste Mal ärgern musst: 

Schluck den Ärger nicht runter. Beobachte dich und Ärgere dich achtsam und lächle.

Wie gehst du mit deinem ärger um? Schreib mir doch ein Mail an : office@hubertakunkel.com